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Schultoiletten als Ort für gelebte Demokratiebildung

Erfolgsgeschichte

Realschule Wolbeck Kunst

Vorbild seit über 15 Jahren

Die Realschule Wolbeck in Münster zeigt eindrucksvoll, wie aus den Schultoiletten ein identitätsstiftender Raum für die gesamte Schulgemeinschaft werden kann. Seit 2010 verfolgt die Schule mit großem Engagement und Ausdauer das Ziel, Schultoiletten nicht nur funktional, sondern bewusst wertschätzend, kreativ und gemeinschaftlich zu gestalten, mit nachhaltigem Erfolg.

Die Entwicklung der Diskotoiletten

Ausgangspunkt war die bauliche Instandsetzung der heruntergekommenen Pausentoiletten im Jahr 2010. Doch die Schule ging weit darüber hinaus: Es entstanden kreative „Kunst- und Musik-Toiletten“ mit Musik, Diskolicht, Kunstwerken, Duftspendern und sogar Kronleuchtern.

In den folgenden Jahren wurde das Konzept kontinuierlich weiterentwickelt: 2016 wurden auch die Flurtoiletten hochwertig ausgestattet, mit Waschtischen, Schränken, neuer Beleuchtung und großformatigen Spiegeln. 2022 folgten professionelle Lichtinstallationen, Diskokugeln, neue Bildmotive und wechselnde Kunstausstellungen. 2025 kamen künstlerisch gestaltete Kabinentüren mit tanzenden Silhouetten hinzu.

Heute sind die Toiletten ein sichtbares Zeichen dafür, dass Wertschätzung und Gestaltung die Wahrnehmung von Räumen grundlegend verändern können.

Realschule Wolbeck Diskolicht
Realschule Wolbeck Waschtisch
Realschule Wolbeck Pflanze
Realschule Wolbeck Diskolicht
Realschule Wolbeck Diskolicht Waschbecken
Realschule Wolbeck Kunst

Ein starkes Team

Das Toilettenprojekt ist fest in der Schüler*innenvertretung verankert und wird zusätzlich von einer engagierten Projektgruppe (AG), unterstützt von zwei Lehrkräften, getragen. Gemeinsam übernehmen sie Verantwortung für Gestaltung, Organisation und Weiterentwicklung.

Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem die Koordination von Diensten (unter anderem Schlüssel- Blumen-, Präsenzdienste), die Zusammenarbeit mit Reinigungskräften sowie Anfragen und Organisation von Reparaturen. Auch die Beratung anderer Schulen, Gemeinden und Städten und Führungen sind zentrale Bestandteile ihrer Arbeit. Bis zum Sommer 2026 wurden rund 80 Beratungen mit Schulen durchgeführt, sowie zahlreiche Telefonberatungen bundesweit. Materialien zum Nachmachen sind auf der Homepage öffentlich verfügbar.

„Probleme sind Aufgaben, die durch gemeinsame Vereinbarungen gelöst werden.“
– Markus Weweler, Mitglied der Schulleitung, Realschule Wolbeck

Partizipation ist das Erfolgsprinzip

Die Schüler*innen sind in vielfältiger Weise aktiv eingebunden. Das SV-Team und die Projektgruppe übernehmen folgende Aufgaben:

  • Aufsicht und Mitverantwortung durch aufsichtsführende Klassen, Treffen von Absprachen und Vereinbarungen bei auftretenden Problemen, z. B. in Versammlungen bestimmter Jahrgangsstufen.

  • Koordination und Weiterentwicklung von Gestaltung und Organisation.

  • Information und Begleitung der aufsichtführenden Klassen; Präsenzdienste.

  • Zusammenarbeit mit Reinigungskräften

  • Beteiligung an Gestaltung und Pflege (Pflanzen, Duftspendern, Dekoration, Kleinmaterial).

  • Information und Rückmeldung: schulweite Edkimo-Umfragen zum Ist-Zustand, Zufriedenheit, Wünschen und Ideen, sowie Klassenpräsentationen der Ergebnisse.

  • Planung und Durchführung von Führungen, Bereitstellen von Materialien, Beratung interessierter Schulen/Eltern/Lehrkräfte.

  • Meldung und Nachverfolgung von Reparaturen.

„Saubere Toiletten sind nicht das Ziel. Im Fokus steht der Einsatz für ein freundliches, demokratisches, respekt- und würdevolles Miteinander.“
– Markus Weweler, Mitglied der Schulleitung, Realschule Wolbeck

Vasen gegen Vandalismus

Durch echte Mitverantwortung der Schüler*innen entwickelte sich eine hohe Identifikation mit den Räumen. Der Prozess ist schulweit bekannt und akzeptiert. In Wolbeck werden buchstäblich Vasen gegen Vandalismus eingesetzt. Das Motto lautet: Zutrauen und Vertrauen statt Schuldzuweisungen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass schön gestaltete und gepflegte Räume sichtbar besser geschützt werden. Mutwillige Beschädigungen werden viel seltener berichtet und schnell behoben. Die Toilettenräume wurden zu motivierenden Zeichen von Wertschätzung in der gesamten Schulgemeinschaft.

Das breite Medienecho und der Deutsche Engagementpreis Demokratisch Handeln stärken die Identifikation enorm. Die Schule lebt zudem eine offene Kultur des Teilens, berät andere Schulen und bietet Führungen an.

Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit

Schultoiletten angenehm für alle zu halten ist ein nie aufhörender Prozess. Es braucht den Wissenstransfer durch regelmäßige Rückmeldeschleifen und die erneute Einbindung aller Klassen, feste Abläufe und klare Verantwortlichkeiten durch Dienste, die weitergegeben werden. Die enge Kooperation mit dem Reinigungsteam und der Stadt, die laufende Instandhaltung und Nachsteuerung.

Zusammenarbeit mit der Stadt Münster

Ansprechpartner*innen sind der Schulträger, der Schulausschuss und das Gebäudemanagement. In 2017 stellte die SV die Aktivitäten im Schulausschuss der Stadt vor, worauf man sich gemeinsam abstimmte und Begehungen im Zuge der Renovierung durchführte. Im Laufe der Zeit gab es viel Anerkennung durch den Schulträger, welcher andere Schulen dazu animierte, sich von der Projektgruppe beraten zu lassen. Nun kommen Architektur- und Planungsbüros der Stadt nach Wolbeck, um sich beraten zu lassen.

Auch die Stadt Münster zeichnete sich als Vorreiter aus. Aus dem Programm „Gute Schule 2020“ wurden insgesamt 120.000 €, mit 5.000 € pro Schule, für Schulen bereitgestellt, die ähnliche Projekte umsetzen und sich in Wolbeck beraten lassen. Dafür erhielt man einen in Wolbeck Gestaltungszuschuss.

Erfolgsfaktoren aus Sicht der Realschule Wolbeck

  • Optimistische, wertschätzende, zutrauende Haltung der Erwachsenen in Schule und Verwaltung

  • Schöne Gestaltung und bauliche Qualität über den reinen Nutzwert hinaus („Vasen gegen Vandalismus“)

  • Beteiligung aller Schülerinnen und Schüler: Umfragen, Mitgestaltung, klare Aufgaben

  • Klare Zuständigkeiten und verlässliche Dienste (Schlüssel-, Blumen-, Präsenzdienste)

  • Enge Zusammenarbeit mit Reinigungskräften, Hausmeisterteam und Schulträger

  • Kontinuierliche Pflege, regelmäßiges Feedback und Nachsteuerung

  • Teilen statt horten: Führungen, Materialien und Beratungen für andere – mit Bitte um korrekte Zitierung